Neue gentechnische Verfahren

neue GV Verfahrenx
Modell einer CRISPR/Cas9 Editierung bei Streptococcus pyogenes, Bild: clipdealer

Gegenwärtig wird verstärkt über die kommerzielle Nutzung von neuen gentechnischen Verfahren bei der Züchtung von Pflanzen und Tieren diskutiert. Dabei handelt es sich um verschiedene Verfahren, wie beispielsweise die ZFN-, TALEN- oder CRISPR/Cas9-Technik, bei denen Gen-Scheren zum Einsatz kommen oder direkte Eingriffe in die Genregulierung vorgenommen werden.

Es bestehen widersprüchliche Rechtsauffassungen, ob diese Methoden in den Geltungsbereich der Gentechnik Gesetzgebung fallen oder nicht. Die Biotech-Industrie fordert, diese Verfahren von der Gentechnikregulierung auszunehmen. Zwei neue Gutachten in Deutschland kommen hingegen zum Schluss, dass diese Techniken unter den Geltungsbereich der EU-Gentechnik Gesetzgebung fallen.

Das Potential zur Veränderung des Erbgutes geht bei den neuen Techniken über das der bisherigen gentechnischen Verfahren hinaus. Die Grenzen der Machbarkeit und der Beeinflussung des Erbmaterials werden deutlich verschoben.

Die neuen gentechnischen Verfahren werden zunehmend auch zur genetischen Veränderung von Modelltieren für die Grundlagenforschung und von Nutztieren eingesetzt. Fachleute rechnen mit einem dramatischen Anstieg der Anzahl Gentech-Tiere.

 


180704logo

In den nächsten Wochen wird sich der Europäische Gerichtshof (EuGH) zur rechtlichen Einstufung neuer gentechnischer Verfahren äussern. Auf dieser Grundlage entscheiden EU- Kommission und die Mitgliedstaaten, ob und wie diese künftig regulieren werden. 21 Organisationen und Stiftungen aus den Bereichen Landwirtschaft, Saatgutinitiativen,  sowie Umwelt- und Konsumentenschutz fordern in einer Resolution an den Deutschen Bundestag und die Europaabgeordneten, dass die neue Gentechnik-Verfahren (CRISPR-Cas, TALEN, ODM etc.) und deren Produkte als Gentechnik reguliert und gekennzeichnet werden müssen.

dna swquenz
Darstellung einer DNA Sequenz, Bild: Clipdealer

Synthetische Biologie wird als nächste Stufe der Bio-bzw. Gentechnologie angesehen. Dazu gehört auch das Genome-Editing-Verfahren CRISPR-Cas. Diese Einstuftung nimmt das Büro für Technikfolgen-Abschätzung (TAB) beim Deutschen Bundestag in seinem neuen Arbeitsbericht vor. Im Auftrag eines Parlamentsausschusses hat sich das Büro für Technikfolgen-Abschätzung TAB seit 2011 intensiv mit dem Thema Synthetische Biologie beschäftig. Von Kritikern wird das Verfahren als „extreme Gentechnik“ der Synbio bezeichnet.

170921Genomediting3Welche Folgen die Genom-Editierung hat, weiss die Wissenschaft nicht. Illustration: Aurel Märki

Mit der sogenannten Genom-Editierung gewinnt die Diskussion um die Gentechnik wieder an Fahrt. Noch bevor konkrete, marktfähige Produkte verfügbar sind, werden ihre Eigenschaften hochgelobt und über deren Zulassung gestritten. Unverständlich, denn es gibt klare Regeln: Im Gentechnikgesetz. Neue Gentechnik-Verfahren sind Gentechnik. Schon der Name macht es deutlich. Eine Technologie, die als Bezeichnung den Begriff „Genom-Editierung“ verwendet, muss unter das Gentechnikgesetz fallen und die dort vorgeschriebenen Riskiobeurteilungen durchlaufen. Und sollten diese Produkte zukünftig eine Marktzulassung erhalten, schreibt das Gentechnikgesetz eine Deklarationspflicht vor, damit die Konsumierenden selber entscheiden können, ob sie gentechnisch veränderte Nahrungsmittel essen wollen oder nicht. Diese Wahlfreiheit ist ein wichtiges Gut und gesetzlich verankert.

180710ZellkulturZellkulturen im Labor. Bild: Fotolia

Führende Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) aus Deutschland und Österreich, wie EDEKA, Lidl, REWE und SPAR, haben mit einem offenen Brief einen dringlichen Appell an die EU-Kommission gerichtet. Diese soll die Verfahren der Neuen Gentechnik und die daraus entstehenden Produkte nach EU-Gentechnikrecht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einstufen und entsprechend regulieren. Die Lebensmittelhändler begründeten ihre Forderung mit dem Vorsorgeprinzip. Um Verbraucher und Umwelt zu schützen, müssten die Verfahren der Neuen Gentechnik – analog zur bestehenden Gentechnik – vor ihrer Zulassung für Anbau oder Verwendung einer fundierten Risikobewertung unterzogen werden. Auch die vollständige Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung seien zu garantieren, damit die Wahlfreiheit der Verbraucher gewährleistet bleibe.

160302testbiotech
Zentrales Instrument der neuen Gentechnik-Verfahren sind sogenannte DNA-Scheren, die es erlauben sollen, das Erbgut an bestimmten Stellen zu verändern. Bild: Testbiotech

Ein Bericht von Testbiotech gibt erstmals einen Überblick über die Patentanmeldungen großer Konzerne in den Bereichen des Gen-Editing und der Synthetischen Gentechnik. Die US-Konzerne DuPont und Dow Agrosciences haben die meisten Patente auf die neuen Verfahren und die damit hergestellten Pflanzen angemeldet, gefolgt vom deutschen Konzern Bayer. Auffallend ist zudem eine steigende Anzahl von Patentanträgen auf Gentechnik-Nutztiere. Der Bericht gibt Beispiele für Pflanzen und Tiere, die mit diesen Methoden manipuliert wurden und zeigt dabei auch unerwartete Nebenwirkungen und Risiken auf. Konzerne wie DuPont fordern, dass die mit den neuen Methoden produzierten Pflanzen und Tiere ohne Zulassungsverfahren und Kennzeichnung vermarktet und freigesetzt werden dürfen. Doch die vorliegenden Publikationen über entsprechende Anwendungen zeigen, dass die neuen Verfahren mit vielen Nebenwirkungen einhergehen und keineswegs so zielgerichtet sind, wie von der Industrie oft behauptet wird.