Freisetzungen

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Bild: Sigrid Fuhrmann / www.biosicherheit.de

Das Gentechnikgesetz ist nach dem so genannten step-by-step-Verfahren aufgebaut, d.h. im Rahmen der Bewilligung von gentechnisch veränderten Organismen müssen die GVO stufenweise in Labor- und Gewächshausversuchen, dann in Freisetzungsversuchen untersucht werden, bevor sie in Verkehr gebracht werden dürfen. Die Schritte vor dem Inverkehrbringen in der Landwirtschaft sollen dazu dienen, Informationen über den GVO bereit zu stellen, um damit unerwünschte Effekte beim kommerziellen Einsatz möglichst auszuschliessen.

Vom Anbau-Moratorium in der Schweiz sind kleinflächige Freisetzungsversuche zu Forschungszwecken ausgenommen. Freisetzungsversuche, die beispielsweise eine Vorabklärung der Sicherheit für das spätere Inverkehrbringen zum Schwerpunkt haben, sind in der Schweiz zulässig.

Mai 2016

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope Anfang Mai die Bewilligung für die Freisetzung von cisgenen Apfelbäumen im zürcherischen Reckenholz unter Auflagen erteilt. Für die SAG sind die Risikovorkehrungen bei der Versuchsanlage trotz der Auflagen des BAFUs (Entfernung der Blüten) ungenügend. Der Aussagewert dieser Gentech-Versuche ist nach Einschätzung der SAG minim.

Oktober 2015

Ende Oktober reichte Agroscope ein Gesuch beim Bundesamt für Landwirtschaft BAFU für einen Freisetzungsversuch mit cisgenen Apfelbäumen ein. Die Apfelbäume wurden genetisch so verändert, dass sie gegen Feuerbrand resistent sein sollen. Für die SAG sind diese Freisetzungsversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen auf der ‚Protected Site’ der Agroscope Versuchsanstalt nicht zielführend, um die anstehenden Probleme der Schweizer Landwirtschaft zu lösen.

April 2015

Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat das Gesuch von Agroscope für die Freisetzung von gentechnisch veränderten Kartoffeln gutgeheissen. Die Kartoffeln werden auf speziell gesicherten Versuchsfeldern, der sogenannten ‚Protected Site’ im zürcherischen Reckenholz wachsen. Die cisgenen Kartoffeln sollen resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule sein. Die SAG lehnt diese Versuche in ihrer Stellungnahme ab.

November 2014

In der ‚Protected Site’ der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt des Bundes, soll ab dem kommenden Frühjahr neben dem Weizen der Universität Zürich auch cisgene Kartoffeln wachsen. Diese sollen resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule sein. Das Gesuch wurde Anfang November 2014 im Bundesblatt publiziert. Die cisgenen Kartoffeln stammen aus einem niederländischen Forschungsprogramm der Universität Wageningen, wo bereits Tests im Freiland stattfanden.

Februar 2013

Die Universität Zürich reicht beim Bundesamt für Umwelt (Bafu) ein Gesuch für einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch verändertem Weizen ein. Die Versuchsreihe knüpft an die Experimente an, welche ab 2008 im Rahmen des NFP 59 durchgeführt wurden. Die Versuche sollen auf einer „Protected Site“ auf dem Gelände der Agroscope durchgeführt werden.

Mai 2012

In Europa ist die Zahl der Freisetzungsversuche mit Gentech-Pflanzen weiter rückläufig. Bisher wurden für die Anbausaison 2012 bei der EU-Behörde nur noch 41 Anträge für Freisetzungsversuche gemeldet, davon entfallen 30 auf Spanien.

Februar 2012

Bereits im Januar 2012 hatte BASF Plant Science angekündigt, dass sie ihre Aktivitäten im Bereich der Pflanzenbiotechnologie auf die Hauptmärkte in Nord- und Südamerika konzentriert. Nach der BASF zieht sich nun auch das Saatgutunternehmen KWS Saat AG mit ihren Freisetzungsvorhaben aus Deutschland zurück. Die Versuche sollen zukünftig in Ländern wie den USA stattfinden, wo ein freundlicheres Klima hinsichtlich der Gentechnik herrscht.

Juni 2011

Die Freisetzungsversuche der ETH Zürich und der Universität Zürich im Rahmen des NFP 59 sind abgeschlossen.

Februar 2011

Im Rahmen des NFP 59 werden die hohen Kosten für Freisetzungsversuche in der Schweiz bemängelt. Für jeden Franken, der für Forschung ausgegeben werde, würden zusätzlich 1.26 Franken in Schutz- und Biosicherheitsmassnahmen sowie in die behördliche Begleitung und Überwachung anfallen.

Februar 2010

Die ETH Zürich und die Universität Zürich führen im Rahmen des NFP 59 drei mehrjährige Freisetzungsversuche mit gentechnisch verändertem Weizen durch – zwei in Zürich-Reckenholz und einer in Pully (VD). Das Bundesamt für Umwelt BAFU hat die Berichte und Versuchsplanungen der Gesuchsteller geprüft. Der Versuch in Zürich kann ins letzte Versuchsjahr starten, in Pully geht es ins zweite Versuchsjahr.

Freisetzungsbewilligungen 2008

Das Bundesamt für Umwelt BAFU bewilligte am 7. Februar 2008 die im Rahmen des NFP 59 beantragten Freisetzungsversuche in Zürich. Gegen die Freisetzungsversuche in Pully wurden 29 Einsprachen von Bürgern eingereicht, was den Versuch um ein Jahr verzögerte. Greenpeace reichte zudem eine Aufsichtsbeschwerde ein. Am 30. März 2008 kam es zur Aussaat des Gentech-Weizens am Standort Zürich auf 0.5 Hektaren. In Pully wurde am 17. März 2009 erstmals gesät.

Freisetzungsanträge 2006

Anfang Dezember 2005 lancierte der Bundesrat das Nationale Forschungsprogramm NFP 59 «Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen». Bis 2011 stehen zwölf Millionen Franken für das Programm bereit. Im NFP 59 sollen auch Freisetzungsgesuche durchgeführt werden.

Freisetzungsanträge 2000–2004

Ende 1999 stellte die ETH ein Gesuch für einen Freisetzungsversuch mit stinkbrandresistentem Gentech-Weizen. Es hat 5 Jahre gedauert, bis der Versuch durchgeführt werden konnte. Das BAFU hat die Chronologie des umstrittenen Gesuchs im Detail zusammengestellt. Der Freisetzungsversuch wurde ab März 2004 in Lindau durchgeführt.

Freisetzungsanträge 1999

Im Frühling 1999 kam es in der Schweiz zu zwei Anträgen für Freisetzungsversuche. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Pflanzenbau in Changins wollte in den Gemeinden Duiller und Bullet genmanipulierte Kartoffeln freisetzen (Mehltauresistenz, Antibiotikaresistenz). In Oftringen beantragte die Firma Plüss-Staufer die Freisetzung von genmanipuliertem Mais (Herbizidresistenz, Antibiotikaresistenz). Am 16. April 1999 hat das BUWAL als Bewilligungsbehörde beide Anträge abgelehnt.

 

Nachdem ein breites Bündnis von Organisationen gegen die geplante Freisetzung gentechnisch veränderter Olivenfliegen in Spanien protestiert hatte, hat das britische Unternehmen Oxitec seinen Antrag jetzt zurückgezogen. Nach Berichten in spanischen Medien hatte die Firma von den Behörden das Signal erhalten, dass die Versuche nicht genehmigt würden. Es ist bereits das zweite Mal seit 2013, dass Oxitec mit einem Antrag scheitert. Sind die Fliegen einmal freigesetzt, könnten sie sich nach gewisser Zeit im gesamten Mittelmeerraum ausbreiten. Eine breite Koalition von Umwelt- und Land­wirtschafts­organisationen, hauptsächlich aus der Mittelmeerregion, fordert ein vollständiges Verbot der Freisetzung derartiger Fliegen. Auch im aktuellen Editorial des Wissenschaftsmagazins Nature wurde vor unzureichenden gesetzlichen Regelungen im Hinblick auf gentechnisch veränderte Organismen mit einem sogenannten „Gen- Drive“ gewarnt.

Externer Link: Pressemitteilung Testbiotech

170714bananeIn Uganda gehören Kochbananen zu den Grundnahrungsmitteln. Bild: Clipdealer

Forscher der australischen Queensland University of Technology haben eine gentechnisch veränderte Banane entwickelt, die einen erhöhten Gehalt an Pro-Vitamin A enthalten soll. Sie entwickelten die Banane in den vergangenen 10 Jahren mit Geldern der Bill & Melinda Gates Stiftung, die rund 7,6 Millionen Dollar in das Projekt gesteckt hatte. Die Banane könne jedes Jahr Hunderttausende von Kindern vor einer Erblindung, verursacht durch einen Mangel an Vitamin A, retten, machen die Forscher geltend. Als nächstes sollen Freilandversuche in Uganda durchgeführt werden, wo Kochbananen zu den Grundnahrungsmitteln gehören und Mangelernährung weit verbreitet ist.

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Bild: Clipdealer

Heute hat das Bundesamt für Umwelt (BAFU) der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope die Bewilligung für die Freisetzung von cisgenen Apfelbäumen im zürcherischen Reckenholz unter Auflagen erteilt. Für die SAG sind die Risikovorkehrungen bei der Versuchsanlage trotz der Auflagen des BAFUs (Entfernung der Blüten) ungenügend. Der Aussagewert dieser Gentech-Versuche dürfte nahezu Null sein.  Die Kosten sind enorm und fehlen der konventionellen Pflanzenzüchtung.

25.11.2014 | Freisetzungen

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Der Befall mit Kraut- und Knollenfäule ist eines der Hauptprobleme im Kartoffelanbau.


Um Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen durchzuführen hat die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope überwachte und gesicherte Versuchsfelder, die sogenannte „Protected Site“, geschaffen. Dort sollen ab dem kommenden Frühjahr neben dem Weizen der Universität Zürich auch cisgene Kartoffeln wachsen, die resistent gegen die Kraut- und Knollenfäule sein sollen. Das Gesuch wurde heute im Bundesblatt publiziert. Die mit Cisgenese entwickelten Kartoffeln stammen aus einem Forschungsprogramm der niederländischen Unversität Wageningen. Dort fanden auch bereits Tests im Freiland statt. Die Cisgenese ist genauso risikoreich wie die üblicherweise angewandte Transgenese. Eine cisgene Pflanze wird mit den gleichen Transformationstechnologien, wie in der Gentechnik üblich, hergestellt. Bevor die Gene aus derselben Art oder kreuzbaren Partnern wieder in das pflanzliche Genom reintegriert werden, werden bestimmte Teile „im Reagenzglas“ (in vitro) kombiniert. So koppelt man beispielsweise eine Gensequenz für ein erwünschtes Protein an ein regulatorisches Element. Das heisst, auch bei cisgenen Pflanzen wird in vitro ein Genkonstrukt hergestellt und dieses Konstrukt ins Empfängergenom integriert. Damit bleiben wesentliche Risikofaktoren erhalten. Das in vitro mittels DNA-Sequenzen zubereitete Genkonstrukt wird an einer zufälligen Stelle eingebaut.

02.08.2013 | Freisetzungen

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Die Olivenfliege befällt die Früchte besonders im Herbst kurz vor der Reife. Bild: Alvesgaspar


Die englische Firma Oxitec plant Freisetzungen gentechnisch veränderter Olivenfliegen in Spanien und Italien. Die Männchen dieser Fliegen wurden gentechnisch so manipuliert, dass ihre weiblichen Nachkommen schon als Larve zugrunde gehen sollen. Auf diese Weise sollen die Fliegenpopulationen reduziert werden. Die Larven leben in Oliven und richten in den betroffenen Gebieten erheblichen Schaden an. Jetzt soll eine nicht näher bezifferte Anzahl gentechnisch veränderter männlicher Fliegen in Spanien – nahe der Küstenstadt Tarragona – freigesetzt werden. Um ein Entkommen zu verhindern, soll die Versuchsfläche mit Netzen abgespannt werden. Ähnliche Versuche sind auch in Italien geplant. Die Versuche sind nach dem derzeitigen Wissensstand von Testbiotech von den Behörden noch nicht genehmigt und wären die ersten Freisetzungen gentechnisch veränderter Tiere in der EU.